März 2026: Die deutsche, italienische und ladinische Abteilung der Fakultät für Bildungswissenschaften (UniBz) im Dialog mit der Mehrsprachigkeitsdidaktik.

Sprachliche Vielfalt stellt in Kindergärten und Grundschulen keine Ausnahme, sondern eher eine alltägliche Realität dar, und dies nicht nur in Südtirol. Doch auf welche Art und Weise wird diese Pluralität im Klassenraum anerkannt und bewertet? Warum ist es wichtig, dieser Pluralität im Bildungsprozess Raum zu schaffen? Wie können die Sprachen der Schülerinnen und Schüler in die Unterrichtsplanung und -praxis einfließen? Welche Rolle spielt das Lehrpersonal bei der Förderung eines inklusiven Umgangs mit sprachlicher Vielfalt? Und wie kann man die plurilingualen Kompetenzen bei allen Schülerinnen und Schülern fördern?

Diese – und weitere – Fragen wurden von den Forscherinnen Marta Guarda und Sabrina Colombo am 17. und 18. März im Rahmen von zwei Workshops zum Thema Mehrsprachigkeitsdidaktik beantwortet. Die Workshops richteten sich an die Studierenden des Studiengangs Bildungswissenschaft der Universität Bozen. Die Zusammenarbeit zwischen Eurac Research und der Universität Bozen begann bereits im Jahr 2020, doch dieses Jahr nahmen zum ersten Mal alle drei Abteilungen – die deutsche, die italienische und die ladinische – gemeinsam an der Initiative teil.

Mehrsprachigkeitsdidaktik basiert auf einem Grundprinzip: Die Sprachkompetenzen der Schülerinnen und Schüler stellen eine Ressource dar, die in den Lehr- und Lernprozess integriert werden sollten. Aus diesem Blickwinkel trägt die sprachliche Vielfalt nicht nur zur kognitiven Entwicklung, sondern auch zum individuellen Wohlbefinden und der Realisierung einer inklusiven Bildungsumgebung bei. Die im Rahmen laufender und bereits abgeschlossener Eurac-Projekte gesammelten Daten zeigen, dass immer mehr Schülerinnen und Schüler über Sprachkenntnisse verfügen, die über Deutsch, Italienisch und Englisch hinausgehen. Dennoch bleiben diese Ressourcen im Unterricht oft unberücksichtigt.

Um diese Verhältnisse zu überwinden, fördert die Mehrsprachigkeitsdidaktik Unterrichtspraktiken, die sich an der Wertschätzung der Sprachenvielfalt orientieren: Alle im Bildungskontext vertretenen Sprachen sollen durch eine offene Sprachpolitik sichtbar und legitim gemacht, das Sprachbewusstsein durch einfache Alltagsaktivitäten gefördert und die Sprachkompetenzen der Schülerinnen und Schüler strategisch aktiviert werden, um das Verständnis und das Erlernen der Fachinhalte zu unterstützen.

Um diese Prinzipien zu konkretisieren, haben Schülerinnen und Schüler mit Materialien und Lerneinheiten gearbeitet, welche im Rahmen des im vergangenen Dezember (2025) abgeschlossenen Projekts “Sprachenvielfalt macht Schule 2.0″ (SMS 2.0) entwickelt wurden. In didaktische Werkstätten arbeiteten Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen daran, didaktische Aktivitäten zu konzipieren und zu besprechen, die erfahrungsorientiertes Lernen fördern. Sie erwarben dabei Instrumente zur Entwicklung didaktischer Konzepte, welche mit einer inklusiven Mehrsprachigkeitsdidaktik im Einklang stehen.

Eine inklusive Mehrsprachigkeitsdidaktik zu fördern bedeutet, den Wert aller Sprachen – und aller Dialekte –, die im Klassenraum (und unserer Umgebung) vorhanden sind, anzuerkennen und diese als Mehrwert für ein gerechteres, effektiveres und zukunftsorientierteres Lernen zu nutzen.

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